HBK (Bericht von Sonnenblumen Jan)

 

HBK

 
Oder: Verregneter Urlaub unter Freunden
 
Ja, das war es nun, Deutschlands längstes Brevet (Prüfung). Die Prüfung bestand nicht nur in der Länge, sondern auch im Wetter, Material und Zusammenleben für die Fahrer. Doch dieses war eine nicht allzu schwere.
Strecke: Lang aber nicht weilig. Zu jeder Zeit befahrbar und nicht gefährlich.
Wetter: Nur etwas feucht, Temperatur stabil um 20°C und Wind aus der richtigen Richtung.
Material: Gute Kompromisse zwischen Leichtbau und Haltbarkeit
Zusammenleben: erstaunlich gut auch unter/nach Belastung 
 
Schwerer war es für den Organisator durchzuhalten, überall gleichzeitig zu sein und auf dem Punkt genau top fit zu sein, wenn denn ein Prüfling zur Betreuung aufschlug.
Nach der Veranstaltung ist vor der Veranstaltung, so hat der Audax unter Leitung von Heino wohl schon 2006 angefangen mit:
Streckenabfahren
Versorgungspunkte suchen
Alternativstrecken suchen (Plan B)
Kontakt zum Wettergott
Einkaufslisten
Homepage
Helfer
usw … .
Und dann dauert die Prüfung bis zum Zielschluss. Ich konnte ins langweilige normale Leben zurück, als ich im Ziel war und durfte nicht bis zum offiziellen Ende warten.
 
Einen kleinen Reisebreicht gibt’s dann auch:
 
Sa. 4:00 Uhr: Bargteheide, Wecker
Sa. 4:02 Uhr: erste Regentropfen auf dem Dachflächenfenster.
Sa. 4:30 Uhr: Abfahrt nach Großhansdorf, dem Epizentrum der Langstrecke
Sa. 5:15 Uhr: Frühstück, komplett nass nach 15km.
Sa. 6:00 Uhr: Start unter der Freude der Helfer und Angehörigen. Die Bevölkerung Großhansdorfs hat den Start größten Teils verschlafen.
Sa. Es regnet, die Elbe hat Hochwasser, in Wittenberge wird nur kurz verweilt, beim Otto Lilienthal regnet es nicht mehr, in Nauen im Freibad sind trotzdem keine Bikinis unterwegs, dafür warmes Essen und ein gut gelaunter Heino. Sogar die Ketten werden während des Essens von Helfern mit Schmiermittel versorgt. Tatsächlich wird es in Brandenburg etwas wellig gegen den Harz und so muss auch mal geschaltet werden. Im Dunkeln ohne Regen, aber noch nass, erreichen wir Ditfurt und sein Heimatmuseum. Hier ist der Tisch gedeckt, die Betten gemacht und ich bleibe …
 
So. 4:00 Uhr: Frühstück vom feinsten
So. 5:00 Uhr: Abfahrt Richtung Harz. Es regnet immer noch nicht und es ist mild. Fast zu warm für die Stiegen des Nordgebirges. Hier und im weiteren Verlauf hat Hermann, der einzige wirkliche GPS Experte, auf den HBK Track die Steigungen und Gefälle (Anfang & Ende) durch Wegpunkte markiert. So als Warnung. In den Ausläufern des Harzes treffen wir auf RTF´ler, die genauso unglücklich den kommenden Schauern entgegenschauen wie wir. Ist aber mehr Nebelniesel als wirklicher Regen. Der kommt bei Liebenau (kurze Querung der Klassikerstrecke Marburg-Ahrensburg) und wird zur Sintflut bis nach Messinghausen (irgendwie heißt das bei mir Scherzingen (wie das im miniaturwunderland). Stört nicht, denn nass ist nass und Aquaplaning kommt bei Rennrädern erst so ab 270km/h. Die Anfahrt zu Messverpflegungsschlafunterkunft ist steil und hätte bestimmt einen Hermann (siehe oben) verdient, wenn sie länger wäre.
So. 17:34 Uhr: Es ist noch hell und wir sehen noch kurz die Sonne, is klar, jetzt wo wir ein Dach über dem kopf haben. Feierabend
 
Mo. 2:00 Uhr: Wegdienst weckt. Was die alles können…
Mo. 3:00 Uhr: Abfahrt zur „Königsetappe“. Es regnet nicht. Dafür schlagen uns Wellen vom Sauerland entgegen. Sogar einen Skilift erkennen wir in der Dämmerung. Es ist aber zu warm für solch Sport und so stehen diese Räder still. Noch ein paar Wellen weiter ist der Kölner Dom zu sehen. Da keiner was zu beichten hat, bleiben wir auf diesem Rheinufer und kehren in Herkenrath (Coppenrath & Wiese) zum Stempeln ein. Auch hier gibt’s noch warme Verpflegung oben drauf. Wäre auch so gegangen, denn wir hatten für kurze Zeit einen Schatten neben uns auf der Straße, durch die Sonne.
Der Rückweg nach „Scherzingen“ ist etwas gemäßigter und erst nach der Kontrolle wäre hier und da mal ein Hermann zusätzlich fällig gewesen. Und es regnet und es ist dunkel. 40km vor „Scherzingen“ bin ich dann alleine, der Rest der Gruppe voraus oder „Geld abheben“. Sogar meine Bremsklötze verlassen mich, kein Wunder bei der Sintflut, die sogar die Kröten zum Wandern bringt….
Mo. 23:59 Uhr: Feierabend bis
 
Di. 4:00 Uhr: Letztes packen. In „Scherzingen“ war ja das Basislager und damit auch ne Menge Sachen für schlechte Zeiten. Die und alles nasses geht mit zurück nach Großhansdorf. Das Speditionsunternehmen Burkhard hat leider heute nicht nur Gepäck dabei, sondern auch einen verunfallten Randonneur. Wir machen uns auf den Weg nach Norden. Runter vom Sauerland, kurz flach in den Teuteburger Wald, in Bad Salzuflen ins Cafe Schulte und übers Wiehengebirge in den flachen Norden. Kurzes Interview in Lindern für die local News bei bester Verpflegung. Nach der Weser durch Niemandenbekantesland nach Buchholz i.d.N. Hier wird es endlich wieder etwas welliger und dunkel. Und Regen gibt’s oben drauf, aber erst nachdem wir die lange Kurzstrecke der Cyclassics etwas gestreift haben und in Winsen tanken. Von hier geht’s wie im Schlaf, tausend mal gefahren… nur der Regen ist etwas unangenehm, aber wir wissen ja schon: mit trockenen Schuhen kommen wir nicht rein, in Großhansdorf, in Ditfurt, in Scherzinge….
Di. 22:55 Uhr: Sie haben auf uns gewartet, großer Empfang und persönlicher Pokal. So wie die letzten 1527km…
 
Mi. 1:00 Uhr: Ich muss noch nach Bargteheide, es schüttet und nur das weiche Bett bringt mich nach Hause. Also Audaxer, bitte keine weichen Betten aufstellen, sonst bleibe ich unangenehm lange…
 
Kurz noch ein paar Superlative der Runde:
Schönste Strecke: Pass Wiehengebirge
Schlimmste Strecke: Um Lindern gerade aus
Helden: alle die sich das zugetraut haben
Veranstaltung der Jahres: (fängt mit H an und hört mit K auf; drei Buchstaben)
 
Jan (mit Blume)  

 

Kommentare

Bericht von Sonnenblumen Jan

Hallo
Sehr schöner Bericht von Sonnenblumen Jan. Doch Ditfurt wird hinten ohne "h" geschrieben, da sind wir Ditfurter ganz eigen. Ich bitte dies schleunigst zu ändern, es steht sehr viel auf dem Spiel.
Ansonsten mal wieder eine gelungene Veranstaltung, wie schon die vorherigen Zwei auch.
gruss
siggi

Global betrachtet

kann man Ditfurt auch mit 2 "h" schreiben. So ein Heimatmuseum und so talentierte Nachwuchsfahrer  gibt es nirgendwo sonst, nur in Ditfurt. Verwechslung ausgeschlossen! Ich habe das eine "h" gefunden und eliminiert. Es ist gut und gastlich in Ditfurt und ich hoffe wir dürfen nach dieser Korrektur wiederkommen.